Aktien-Vermieter-Strategie: bezahlt werden, auch wenn der Kurs stillsteht.
Die gedeckte Kaufoption in einfachen Worten: Du hältst eine Aktie, die ohnehin in deinem Depot liegt, und verkaufst jemandem das Recht, sie dir zu einem festen, höheren Preis abzukaufen. Dafür bekommst du sofort eine Prämie — die verschafft dir einen Vorsprung gegenüber einfachem Halten, solange der Kurs unter diesem Preis bleibt. Steigt er darüber, ist bei genau diesem Preis Schluss. Unten klickst du dich selbst durch fünf Szenarien bis zum Verfallstag und siehst am simulierten Kontoauszug, wo der Vorsprung kippt.
Der Einstieg — der Camper von Jonas
Jonas hat einen gebrauchten Camper, den er nicht jedes Wochenende braucht. Steht er nur in der Einfahrt, kostet er Stellplatz und verliert an Wert. Also vermietet er ihn übers Wochenende für 180 $ — jedes Mal, egal was der Camper auf dem Gebrauchtmarkt gerade wert ist.
Eine Familie, die schon zweimal gemietet hat, will ihn vielleicht im Herbst kaufen. Sie zahlt Jonas dafür 300 $, dass er ihr bis Ende Oktober eine Kaufoption zu einem festen, höheren Preis offenhält. Nimmt sie das Angebot nicht wahr, bleibt bei Jonas alles: Camper, Miete und die 300 $. Nimmt sie es wahr, verkauft Jonas zu diesem vereinbarten Preis — selbst wenn der Camper auf dem freien Markt inzwischen mehr wert wäre.
Drei Dinge stecken in dieser Abmachung, und alle drei tauchen bei der gedeckten Kaufoption wieder auf. Erstens: Jonas besitzt den Camper wirklich, nichts ist geliehen. Zweitens: Die 180 $ Miete kommen unabhängig davon, ob die Familie am Ende kauft. Und drittens, der Haken: Steigt der Wert des Campers weit über den vereinbarten Preis, bekommt Jonas trotzdem nur diesen Preis.
Gedeckter Call
Ein Optionskontrakt läuft über 100 Aktien. „Gedeckt“ heißt: Deine Aktien liegen wirklich im Depot — die Verkaufszusage ist durch echten Besitz abgesichert, nicht auf Kredit.
Vorsprung ggü. Halten
Die Prämie fließt bei Eröffnung und gehört dir. Solange der Kurs unter dem Strike bleibt, ist sie genau dein Vorsprung gegenüber einfachem Halten ohne Kaufoption.
Der Kern — die Rechnung mit echten Zahlen
100 Aktien liegen zu 150 $ Einstand in deinem Depot. Du verkaufst eine gedeckte Kaufoption — Covered Call — mit Strike 155 $ und bekommst dafür 3 $ je Aktie. Ein Kontrakt läuft über 100 Aktien: 300 $ fließen sofort auf dein Konto, unabhängig davon, was als Nächstes passiert.
Dafür reichen fünf unabhängige Beispiele, wo der Kurs am Verfallstag stehen könnte: keine Bewegung, leicht steigend, stark steigend, leicht fallend, stark fallend. Das ist keine Abfolge und kein Kursverlauf — jedes der fünf Beispiele wird einzeln für sich gerechnet, als wäre es der einzige Kursstand, der an diesem einen Verfallstag eintritt. Während der Laufzeit schwankt der Wert der Position ständig; erst am Verfall steht fest, ob zugeteilt wird.
| Kurs bei Verfall | Prämie | Aktie bei Verfall | Gesamt | Nur gehalten, keine Prämie |
|---|---|---|---|---|
| 150 $ | +300 $ | 0 $ | +300 $ | 0 $ |
| 153 $ | +300 $ | +300 $ | +600 $ | +300 $ |
| 170 $ | +300 $ | +500 $ gedeckelt | +800 $ | +2.000 $ |
| 144 $ | +300 $ | −600 $ | −300 $ | −600 $ |
| 120 $ | +300 $ | −3.000 $ | −2.700 $ | −3.000 $ |
Die Prämie steht in jeder Zeile bei genau +300 $. Was sich unterscheidet, ist ausschließlich die Aktie.
Das ist der Doppelcharakter der Strategie: Die Prämie ist ein fester Baustein, unabhängig vom Kurs. Unter dem Strike zählt die Aktie mit ihrem echten Buchwert dazu. Über dem Strike wird die Aktie bei 155 $ gedeckelt — bei 170 $ hätte einfaches Halten 2.000 $ gebracht, mit der verkauften Kaufoption sind es nur 800 $.
Wer sitzt eigentlich auf der anderen Seite?
Damit du die Prämie bekommst, muss jemand sie zahlen. Meist ist das jemand, der auf einen weiteren Anstieg setzt und sich dafür ein festes Kaufrecht sichert — ähnlich wie die Familie beim Camper von Jonas.
| Merkmal | Der Käufer der Kaufoption | Du als Verkäufer |
|---|---|---|
| Motiv | Er will an einem weiteren Anstieg teilhaben, ohne die Aktie selbst zu halten — und zahlt dafür eine Prämie. | Du hältst die Aktie bereits und würdest sie zum Strike gern hergeben. Bis dahin wirst du fürs Halten bezahlt. |
| Pflicht | Keine. Er hat ein Recht gekauft und entscheidet, ob er es nutzt. | Verkaufspflicht zum Strike, sobald er sein Recht ausübt — unabhängig davon, wie hoch der Kurs inzwischen steht. |
| Zeit | Arbeitet gegen ihn: Je näher der Verfall, desto weniger ist sein Recht wert. | Arbeitet für dich: Derselbe Wertverlust ist die Gegenseite deiner Position (Theta). |
Zwei Wege, etwas zu vermieten
Die Analogie zur Immobilie liegt nahe — hier steht sie als Mechanik-Vergleich, nicht als Renditeversprechen für die eine oder andere Seite.
| Merkmal | Wohnung vermieten | Aktie „vermieten“ (gedeckte Kaufoption) |
|---|---|---|
| Mindestkapital | Regional sehr unterschiedlich, meist sechsstellig, üblicherweise mit Fremdfinanzierung. | Ab einer Position von 100 Aktien des gewählten Werts. |
| Häufigkeit der Einnahme | Ein Zahlungseingang pro Monat. | Abhängig von der gewählten Laufzeit, häufig mehrfach im Monat möglich. |
| Liquidität | Verkauf des Objekts dauert typischerweise Wochen bis Monate. | Position lässt sich an Börsentagen glattstellen. |
| Laufender Aufwand | Instandhaltung, Mieterwechsel, Verwaltung. | Digitale Order, keine physische Verwaltung. |
| Deckel und Klumpenrisiko | Kein Deckel nach oben, dafür das Risiko meist in einem einzelnen Objekt konzentriert. | Deckel am Strike, dafür in der Regel einfacher über mehrere Werte zu streuen. |
Das ist ein Vergleich der Mechanik, keine Aussage über zu erwartende Renditen — und keine Empfehlung für den einen oder anderen Weg. Beide tragen ein eigenes Risikoprofil, das sich nicht direkt gegeneinander aufrechnen lässt: Immobilien zusätzlich mit Fremdfinanzierungs- und Standortrisiken, die hier nicht abgebildet sind, Optionen mit den Markt- und Zuteilungsrisiken aus dem nächsten Abschnitt.
Keine Wunderformel
Die gedeckte Kaufoption macht aus Depotstillstand einen Zahlungseingang. Sie macht aus einem schlechten Investment kein gutes.
- Dein Gewinn hat einen Deckel. Läuft die Aktie auf 170 $, bleiben dir 800 $. Am Rest der Rallye bist du nicht beteiligt — die Aktien gehören ab dem Strike dem Käufer. Es gibt keinen Free Lunch an der Börse.
- Nach unten schützt deine Prämie nur um ihren eigenen Betrag. Bei einem echten Kurssturz trägst du den Rest genauso wie jeder andere Aktionär. Die Prämie federt einen Rücksetzer ab; einen Absturz federt sie nicht.
- Das hier ist die gedeckte Variante. Deine Aktien liegen wirklich im Depot. Verkaufst du Kaufoptionen auf Aktien, die du gar nicht besitzt — „ungedeckt“ —, ist dein möglicher Verlust nach oben offen. Das ist eine andere, deutlich riskantere Strategie und nicht Teil dieser Lektion.
- Zuteilung kann früher kommen. Bei amerikanischen Optionen darf der Käufer jederzeit ausüben. In der Praxis passiert das selten, vor allem rund um Dividendentermine — ausgeschlossen ist es nie.
- Keine feste Erfolgsquote und keine Garantie. Wie oft eine Runde ohne Zuteilung ausgeht, hängt an Basiswert, Strike-Abstand und Marktphase — nicht an einer festen Zahl. Und selbst eine lange Serie ruhiger Runden sagt nichts über die nächste aus.
Optionshandel ist mit Risiken bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Alle Zahlen auf dieser Seite sind konstruierte Beispiele ohne Gebühren, Steuern und Spread und keine Angabe zu einer realen oder zu erwartenden Rendite.
Wie ich das lese
Ich stelle mir vor jeder Position zwei Fragen: Wie dick ist die Prämie wirklich? Und würde ich die Aktie zum Strike tatsächlich gern hergeben? Daraus ergeben sich vier Felder.
| Lage | Was ich sehe | Wie ich das einordne |
|---|---|---|
| Prämie dick · Strike wäre ein guter Verkaufspreis | Ein Wert von meiner Liste, und der Strike liegt dort, wo ich ohnehin verkaufen würde. | Idealer Mietvertrag Das einzige Feld, in dem ich wirklich verkaufe. Wird zugeteilt, ist das für mich ein Gewinn, kein Unfall. |
| Prämie dick · Aktie will ich eigentlich behalten | Auffällig hohe Prämie auf einem Wert, den ich langfristig eigentlich halten will. | Goldene Handschellen Hier bin ich mal reingelaufen: wurde weggecalled, mitten in einer Rallye, die ich eigentlich mitnehmen wollte. |
| Prämie dünn · Strike wäre trotzdem okay | Ruhiger Markt, magere Prämie, der Strike wäre trotzdem ein Preis, zu dem ich verkaufen würde. | Dünn bezahlt fürs Loslassen Der Strike passt, aber die Prämie lohnt für mein Gefühl kaum den Papierkram. |
| Prämie dünn · Aktie behalte ich sowieso | Nichts Auffälliges, kein Interesse, die Aktie überhaupt herzugeben. | Kein Anlass Nichts zu holen, nichts zu riskieren. Der langweiligste Fall. |
Das ist meine persönliche Einordnung, keine Anlageberatung und keine Handelsempfehlung. Was für mich passt, muss für dein Depot, deinen Zeithorizont und deine Risikotragfähigkeit nicht passen.
Sitzt es?
Du hältst 100 Aktien zu 150 $ Einstand und verkaufst eine gedeckte Kaufoption mit Strike 155 $ für 3 $ Prämie. Bei Verfall steht die Aktie bei 170 $. Was hast du?
Über dem Strike wird zugeteilt. Du verkaufst zu 155 $, nicht zu 170 $. Die Prämie bleibt bei 300 $, dazu kommt der bei 155 $ gedeckelte Kursgewinn von 500 $ — in Summe 800 $. Genau das ist der Deckel dieser Strategie.
Welche Zahl bleibt gleich, wenn der Kurs bei Verfall von 153 $ auf 144 $ fällt?
Solange der Kurs unter dem Strike bleibt, ist der Vorsprung immer genau die Prämie — unabhängig davon, wie weit der Kurs darunter liegt. Das Gesamtergebnis dagegen bewegt sich mit dem Kurs, nur eben immer parallel zum einfachen Halten.
Warum gilt eine „ungedeckte“ Kaufoption als deutlich riskanter als die Strategie aus dieser Lektion?
Liegen die Aktien im Depot, ist der Verlust durch den Deckel am Strike begrenzt. Ohne sie müsste die Aktie am Verfallstag am freien Markt gekauft werden, um sie zu liefern — ein Kurs ohne erkennbare Obergrenze bedeutet dann ein Verlustrisiko ohne erkennbare Obergrenze.