Fürs Warten bezahlt werden — und was es kostet.
Der Cash Secured Put in einfachen Worten: Du gibst ein verbindliches Kaufversprechen zu einem Preis, den du ohnehin zahlen wolltest, und bekommst dafür sofort Geld. Diese Prämie senkt deinen tatsächlichen Einstandspreis — und ändert nichts daran, dass die Kaufpflicht auch dann gilt, wenn die Aktie weit tiefer steht. Im Labor schiebst du Prämie und Kurs selbst und siehst, welche Zahl sich dabei nie bewegt.
Der Einstieg — die Küche von Markus
Markus aus dem dritten Stock zieht aus. Seine Einbauküche ist keine drei Jahre alt und ungefähr 2.200 € wert. Er hat vier Wochen Zeit: Findet er keinen Käufer, zahlt er am Ende noch fürs Rausreißen. Du hättest die Küche gern — aber für 2.000, nicht für 2.200.
Also machst du ihm eine Zusage, schriftlich: Wenn er sie bis Ende April nicht anders loswird, nimmst du sie für 2.000 €. Feste Summe, festes Datum. Markus ist erleichtert und legt dir 60 € auf den Tisch — heute, für die Sicherheit.
Drei Dinge stecken in dieser Abmachung, und alle drei tauchen beim Cash Secured Put wieder auf. Erstens: Die 2.000 € müssen die ganze Zeit bereitliegen und dürfen für nichts anderes weg. Zweitens: Die 60 € sind sofort dein Geld und bleiben es, auch wenn Markus die Küche an jemand anderen verkauft. Und drittens, der unangenehme Teil: Stellt sich heraus, dass die Küche nur noch 1.400 € wert ist, musst du trotzdem 2.000 zahlen.
Cash Secured
Ein Optionskontrakt läuft über 100 Aktien. „Cash secured“ heißt: Der volle Kaufbetrag liegt liquide auf dem Konto und ist für die ganze Laufzeit reserviert — nichts davon läuft auf Kredit.
Netto-Einstand
Die Prämie fließt bei Eröffnung und gehört dir. Kommen die Aktien wirklich ins Depot, senkt sie den Preis, den du effektiv bezahlt hast.
Der Kern — die Rechnung mit echten Zahlen
Eine Aktie steht bei 110 €. Du hättest sie gern, aber ab 100. Statt einer Limit-Order verkaufst du einen Put mit Strike 100 und bekommst dafür 3 € je Aktie. Ein Kontrakt läuft über 100 Aktien: 300 € fließen sofort auf dein Konto, und 10.000 € liegen als Reserve fest.
Ab hier gibt es nur noch vier Verläufe. Alle vier stehen im Labor als Presets bereit — und alle vier beschreiben den Verfallstag, nicht den Weg dorthin. Während der Laufzeit schwankt der Wert der Position ständig; erst am Verfall steht fest, ob angedient wird.
| Kurs bei Verfall | Was passiert | Ergebnis bei Verfall | Aktien heute zu 110 gekauft |
|---|---|---|---|
| 105 | Der Put verfällt wertlos. Keine Aktien, Reserve wieder frei. | +300 € | −500 € |
| 98 | Andienung zu 100. Der Netto-Einstand von 97 liegt noch unter dem Kurs. | +100 € | −1.200 € |
| 95 | Andienung zu 100. Die Prämie ist aufgebraucht, der Rabatt bleibt. | −200 € | −1.500 € |
| 78 | Andienung zu 100, weit unter Break-even. Die Kaufpflicht gilt trotzdem. | −1.900 € | −3.200 € |
Der Break-even liegt bei 97 — Strike minus Prämie. Und diese Zahl bewegt sich nicht, egal was der Kurs macht.
Genau das ist der Unterschied zur Limit-Order. Wer bei 100 limitiert kauft, zahlt 100. Wer die Zusage verkauft und angedient wird, zahlt effektiv 97 — die Prämie ist bereits abgezogen. Und wenn der Kurs nie fällt, bleibt bei der Limit-Order gar nichts, während die Prämie in jedem Fall geflossen ist.
Wer sitzt eigentlich auf der anderen Seite?
Damit du die Prämie bekommst, muss jemand sie zahlen. Dieser Jemand ist selten ein Zocker — meistens ist es jemand, der schlicht Sicherheit kauft, so wie Markus mit seiner Küche.
| Merkmal | Der Put-Käufer | Du als Stillhalter |
|---|---|---|
| Motiv | Er will sein Depot gegen einen Rückgang absichern und ist bereit, dafür zu zahlen. | Du willst die Aktie ohnehin — nur günstiger. Bis dahin wirst du fürs Warten bezahlt. |
| Pflicht | Keine. Er hat ein Recht gekauft und entscheidet, ob er es nutzt. | Kaufpflicht zum Strike, sobald er sein Recht ausübt — unabhängig davon, wie tief der Kurs steht. |
| Zeit | Arbeitet gegen ihn: Je näher der Verfall, desto weniger ist sein Recht wert. | Arbeitet für dich: Derselbe Wertverlust ist die Gegenseite deiner Position (Theta). |
Keine Wunderformel
Der Cash Secured Put macht aus Wartezeit einen Zahlungseingang. Er macht aus einem schlechten Investment kein gutes.
- Der Gewinn hat einen Deckel. Läuft die Aktie auf 140, bleiben es 300 €. An der Rallye bist du nicht beteiligt — du hältst keine Aktien, sondern ein Versprechen.
- Nach unten ist deutlich mehr Platz. Bei Strike 100 und 3 € Prämie stehen 9.700 € im Risiko, falls das Unternehmen wirklich kippt. Die Prämie federt einen Rücksetzer ab; einen Absturz federt sie nicht.
- Das Kapital ist gebunden. Die 10.000 € stehen über Wochen für nichts anderes zur Verfügung. Ob auf reserviertes Guthaben Zinsen anfallen, hängt am Broker und am Zinsniveau — das ist keine feste Größe der Strategie.
- Andienung kann früher kommen. Bei amerikanischen Optionen darf der Käufer jederzeit ausüben. In der Praxis passiert das selten, vor allem rund um Dividendentermine — ausgeschlossen ist es nie.
- Wie oft es ruhig ausgeht, steht in den Griechen — nicht in einer festen Quote. Wie weit der Put aus dem Geld liegt, drückt das Delta aus: Ein Put mit Delta 20 wird üblicherweise grob als „etwa 20 % Chance, im Geld zu landen“ gelesen. Das ist eine Momentaufnahme und kein Versprechen — das Delta verschiebt sich mit jedem Kursschritt, jedem Tag Restlaufzeit und jeder Änderung der erwarteten Schwankungsbreite. Und gerade weil die ruhigen Fälle überwiegen, fällt der eine, in dem es schiefgeht, größer aus: einzelne Ausnahmen können den Ertrag vieler ruhiger Monate übersteigen.
- Zwischen Eröffnung und Verfall bewegt sich die Position. Der Zeitwert schmilzt Tag für Tag zu deinen Gunsten (Theta). Steigt dagegen die erwartete Schwankungsbreite, wird der verkaufte Put teurer und die Position zeigt zwischenzeitlich Verlust, obwohl sich am Kurs kaum etwas getan hat (Vega). Kurz vor Verfall reagiert sie außerdem immer heftiger auf kleine Kursbewegungen (Gamma). Das Diagramm im Labor zeigt nur den Endpunkt, nicht diesen Weg.
Optionshandel ist mit Risiken bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Alle Zahlen auf dieser Seite sind konstruierte Beispiele ohne Gebühren, Steuern und Spread.
Wie ich das lese
Ich stelle mir vor jeder Position zwei Fragen: Will ich diese Aktie zum Netto-Einstand wirklich haben? Und ist die Prämie für das, was ich dafür trage, überhaupt der Rede wert? Daraus ergeben sich vier Felder.
| Lage | Was ich sehe | Wie ich das einordne |
|---|---|---|
| Prämie dick · Aktie will ich nicht | Auffällig hohe Prämie auf einem Wert, den ich sonst nie anfassen würde. | Angstprämie Hier bin ich damals reingelaufen. Die dicke Prämie ist kein Geschenk, sondern der Preis für Bewegung, die der Markt gerade erwartet. |
| Prämie dick · Aktie will ich haben | Ein Wert von meiner Liste, und der Netto-Einstand liegt dort, wo ich kaufen wollte. | Kaufbereitschaft Das einzige Feld, in dem ich weiterschaue. Kommen die Aktien, ist das für mich kein Unfall, sondern der Plan. |
| Prämie dünn · Aktie will ich haben | Ruhiger Markt, magere Prämie, der Einstand kaum unter dem Strike. | Dünn bezahlt Die Kaufbereitschaft steht, aber die Prämie deckt für mein Gefühl das Risiko nicht. |
| Prämie dünn · Aktie will ich nicht | Nichts Auffälliges, kein Interesse am Basiswert. | Kein Anlass Nichts zu holen, nichts zu wollen. Der langweiligste und ungefährlichste Fall. |
Das ist meine persönliche Einordnung, keine Anlageberatung und keine Handelsempfehlung. Was für mich passt, muss für dein Depot, deinen Zeithorizont und deine Risikotragfähigkeit nicht passen.
Sitzt es?
Du hast einen Put mit Strike 100 verkauft und 3 € Prämie je Aktie bekommen. Bei Verfall steht die Aktie bei 130. Was hast du?
Über dem Strike verfällt der Put wertlos. Die Prämie ist bereits bei Eröffnung geflossen und bleibt dir — aber an den 30 € Kursanstieg bist du nicht beteiligt. Genau das ist der Deckel dieser Strategie.
Welche Zahl ändert sich nicht, wenn der Kurs bei Verfall von 95 auf 78 fällt?
Der Netto-Einstand hängt nur an Strike und Prämie, nicht am Kurs. Er sagt dir, was du effektiv bezahlst — nicht, was die Aktie danach wert ist. Das ist der Grund, warum ein Cash Secured Put die Einstiegsfrage klärt, aber nicht die Frage, ob die Aktie es wert ist.
Woher kommt eine ungewöhnlich hohe Prämie?
Prämien sind kein Geschenk, sondern eine Bezahlung für übernommenes Risiko. Hohe Prämien treten typischerweise dort auf, wo größere Ausschläge erwartet werden — und wo die Kaufpflicht entsprechend häufiger wehtut.