Short Put – einfach erklärt
Beim Short Put verkaufst du eine Verkaufsoption und erhältst dafür sofort eine Prämie. Der Gewinn ist auf diese Prämie begrenzt, das Risiko nach unten ist es nicht. Diese Seite erklärt Aufbau, Maximalgewinn, Maximalverlust und Break-even — und zeigt an einem Regler, wie sich Ergebnis und die vier Optionsgriechen mit der Restlaufzeit verändern.
Was ist ein Short Put?
Ein Short Put ist eine verkaufte Verkaufsoption. Du gibst jemand anderem das Recht, dir eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis anzudienen — und bekommst dafür sofort Geld, die Prämie.
Der Käufer auf der Gegenseite sichert sich damit gegen fallende Kurse ab oder wettet darauf. Du übernimmst diese Verpflichtung. Solange der Kurs über dem vereinbarten Preis bleibt, passiert nichts weiter: Die Option verfällt, die Prämie bleibt bei dir. Fällt der Kurs darunter, musst du die Aktien zum vereinbarten Preis abnehmen — auch dann, wenn sie inzwischen deutlich weniger wert sind.
Ein Short Put ist keine Wette auf steigende Kurse, sondern auf „nicht deutlich fallende". Er verdient auch dann, wenn sich der Kurs nicht bewegt.
Der Short Put ist wie ein reduzierter Kaufauftrag. Du kannst ihn auch wie eine Limit Order mit zusätzlicher Prämie sehen: Du legst den Preis fest, zu dem du kaufen würdest, und erhältst für diese Zusage sofort Geld.
Aufbau der Strategie
- BasiswertEine Aktie oder ein ETF, dessen Optionen liquide gehandelt werden.
- StrikeDer Preis, zu dem du im Ernstfall abnehmen musst. Er liegt meist unter dem aktuellen Kurs — je weiter darunter, desto seltener kommt es zur Andienung, desto kleiner aber auch die Prämie.
- LaufzeitDer Zeitraum bis zum Verfall. Sie bestimmt, wie viel Zeitwert überhaupt zu verdienen ist — und wie lange die Verpflichtung läuft.
- PrämieDas Geld, das sofort auf dein Konto kommt. Es ist dein maximaler Gewinn aus diesem Geschäft.
- SicherheitBeim Verkauf eines Short Puts verlangt der Broker eine Sicherheitsleistung. Ist ausreichend Cash vorhanden, um die Aktien bei einer möglichen Zuteilung vollständig zum Basispreis zu kaufen, spricht man von einem Cash Secured Put. Wird lediglich die vom Broker geforderte Margin hinterlegt, kann eine Hebelwirkung entstehen. Dadurch steigt das Risiko, insbesondere bei starken Kursverlusten oder einer Erhöhung der Marginanforderungen.
Ein Kontrakt bezieht sich an den meisten Börsen auf 100 Aktien. Alle Beträge auf dieser Seite gelten für einen solchen Kontrakt.
Beispiel für einen Short Put
Ein gerechnetes Beispiel, keine Marktdaten und keine Empfehlung für ein bestimmtes Papier.
| Basiswert | steht bei 80,00 $ |
|---|---|
| Strike | 76,00 $ — rund fünf Prozent unter dem Kurs |
| Laufzeit | 40 Tage bis zum Verfall |
| Prämie | 1,67 $ je Aktie — 167 $ für einen Kontrakt über 100 Stück |
Erreicht, wenn der Kurs am Verfallstag auf oder über dem Strike liegt. Die Option verfällt wertlos, die Prämie bleibt.
Der rechnerische Extremfall: Der Basiswert fällt auf null, die Aktien müssen trotzdem zu 76 $ abgenommen werden.
Bis zu diesem Kurs gleicht die Prämie den Rückgang aus. Darunter entsteht Verlust, Dollar für Dollar mit dem Kurs.
Die Prämie ist ein Puffer, kein Schutz. Sie verschiebt die Verlustschwelle um 1,67 $ nach unten, mehr nicht.
Der Zeitwert: warum er nicht gleichmäßig verfällt
Der Preis einer Option besteht aus innerem Wert und Zeitwert. Liegt der Strike unter dem Kurs, hat die Option keinen inneren Wert — die Prämie besteht dann vollständig aus Zeitwert.
Dieser Zeitwert verfällt bis zum Verfallstag auf null. Er tut das aber nicht linear: In den ersten Wochen verliert die Option wenig, zum Verfall hin immer schneller. Nach der halben Laufzeit ist deshalb weniger als die Hälfte der Prämie verdient.
Die vier Griechen, je ein Satz
Alle Vorzeichen hier gelten aus Sicht des Verkäufers — also der Seite, die die Prämie kassiert hat.
| Kennzahl | Was sie misst | Für den Verkäufer |
|---|---|---|
| Theta | Wertverlust der Option pro Kalendertag | arbeitet mit Der Zeitablauf ist die Ertragsquelle der Position. Er wirkt an jedem Tag, auch wenn der Kurs stillsteht. |
| Delta | Reaktion des Preises auf einen Dollar Kursbewegung | richtungsabhängig Steigende Kurse helfen, fallende schaden. Je näher am Strike, desto stärker. |
| Gamma | Wie schnell sich Delta selbst verändert | arbeitet gegen Kurz vor Verfall und nah am Strike kippt die Lage am schnellsten — aus einer Rampe wird eine Klippe. |
| Vega | Reaktion auf die erwartete Schwankungsbreite | arbeitet gegen Steigt die erwartete Unruhe, wird die Position teurer — auch ohne jede Kursbewegung. |
Rho, die Zinssensitivität, lassen wir hier bewusst weg: Bei den Laufzeiten, um die es geht, trägt sie zur Anschauung praktisch nichts bei.
Restlaufzeit und Griechen im Zusammenspiel
Der Regler verändert eine einzige Größe: die Restlaufzeit. Ergebnisbild und alle vier Griechen reagieren gleichzeitig darauf. Zugrunde liegt das Beispiel von oben — Kurs 80 $, Strike 76 $, 40 Tage Laufzeit.
Deine Vorteile mit einem Short Put
Ob die Strategie geeignet ist, hängt von Kapital, Zeithorizont und Risikobereitschaft ab. Diese Übersicht ist keine Empfehlung.
- ZeitDer Zeitwertverlust arbeitet grundsätzlich für den Verkäufer. Bleiben Kurs und Volatilität weitgehend stabil, verliert die Option mit fortschreitender Laufzeit an Wert.
- SpielraumDer Basiswert muss nicht zwingend steigen. Am Verfallstag entsteht ein Gewinn, wenn der Kurs über dem Break-even liegt. Dieser ergibt sich aus Basispreis minus vereinnahmter Prämie.
- EinstiegBei einer Zuteilung reduziert die erhaltene Prämie den rechnerischen Einstandspreis der Aktien. Gebühren und Steuern sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Deine Nachteile mit einem Short Put
Die Gegenseite der Strategie.
- Begrenzter GewinnDer maximale Gewinn entspricht der vereinnahmten Prämie von 167 $. Der maximale Verlust ist zwar begrenzt, kann mit 7.433 $ aber erheblich höher ausfallen, falls der Basiswert auf null fällt.
- KapitalDer Cashbetrag oder die hinterlegte Margin reduziert das frei verfügbare Kapital beziehungsweise die Kaufkraft. Zudem kann der Broker die Marginanforderungen während der Laufzeit erhöhen.
- VegaSteigt die implizite Volatilität, erhöht sich in der Regel der Wert des Puts. Ein vorzeitiger Rückkauf wird dadurch teurer, sofern andere Einflussfaktoren unverändert bleiben.
- GammaKurz vor dem Verfall reagiert die Position besonders empfindlich, wenn der Kurs in der Nähe des Basispreises liegt. Kleine Kursbewegungen können das Delta und den Optionspreis deutlich verändern.
- AndienungDer Verkäufer bleibt zur Abnahme der Aktien zum Basispreis verpflichtet. Bei amerikanischen Optionen ist eine Zuteilung auch vor dem Verfallstag möglich.
Vier typische Fehler beim Short Put
- Fehler 1Den Zeitwertverfall linear betrachten. Der Zeitwert nimmt nicht gleichmäßig ab. Besonders bei Optionen am Geld beschleunigt sich der Verfall zum Laufzeitende.
- Fehler 2Ohne festen Plan zurückkaufen. Ein früher Rückkauf ist nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist, ob er zu den vorher festgelegten Gewinn-, Verlust- und Risikoregeln passt. Kurz vor dem Verfall sinkt zwar der Zeitwert schneller, gleichzeitig steigt aber das Gamma-Risiko.
- Fehler 3Delta als exakte Wahrscheinlichkeit verstehen. Delta misst zunächst, wie stark der Optionspreis auf eine Kursbewegung des Basiswerts reagiert. Es kann unter bestimmten Annahmen als grobe Näherung für die Wahrscheinlichkeit dienen, am Verfallstag im Geld zu liegen. Eine verlässliche Prognose ist es nicht.
- Fehler 4Vega ignorieren. Steigt die implizite Volatilität, erhöht sich in der Regel der Optionspreis. Das gilt unter der Annahme, dass die übrigen Einflussfaktoren unverändert bleiben. Für den Verkäufer kann ein Rückkauf dadurch teurer werden.
Die Grenzen der Strategie
Der Ertrag ist begrenzt, das Risiko nicht. Das ist die wichtigste Eigenschaft der Position.
Im Beispiel sind 167 $ das Maximum — unabhängig davon, wie weit der Kurs steigt. Nach unten stehen rechnerisch 7.433 $ im Risiko, wenn der Basiswert auf null fällt. Dieser Fall ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Er ist der Grund, warum die Prämie überhaupt gezahlt wird.
Hinzu kommt Vega: Steigt die erwartete Volatilität — etwa vor einem Unternehmenstermin — wird die Option teurer, auch ohne Kursbewegung. Ein Rückkauf kostet dann mehr als zuvor.
Verluste über den Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.
Aufgabe zum Nachprüfen
Der nichtlineare Zeitwertverfall lässt sich in jeder Optionskette in einer Minute nachprüfen.
- 1Einen Put wählen, dessen Strike ungefähr beim aktuellen Kurs liegt, mit rund 90 Tagen Restlaufzeit. Preis notieren.
- 2Denselben Strike mit rund 30 Tagen Restlaufzeit aufrufen. Preis notieren.
- 3Den kurzen durch den langen Preis teilen. Bei gleichmäßigem Verfall müsste ein Drittel herauskommen — tatsächlich liegt der Wert deutlich darüber. Nur nachschauen und rechnen, nichts kaufen und nichts verkaufen.
Der genaue Wert hängt vom Abstand zum Strike und von der erwarteten Volatilität ab. Die Richtung ist immer dieselbe: deutlich mehr als ein Drittel.
Sitzt es?
Nach der halben Laufzeit steht der Kurs unverändert. Wie viel der Prämie ist verdient?
Der Zeitwert verfällt nicht linear: in den ersten Wochen langsam, zum Verfall hin schneller. Nach der halben Laufzeit ist deshalb weniger als die Hälfte der Prämie verdient.
Was passiert mit Theta und Gamma, je näher der Verfallstag rückt?
Theta und Gamma nehmen zum Verfall hin gemeinsam zu. Der Zeitwert verfällt schneller, gleichzeitig reagiert der Optionspreis stärker auf Kursbewegungen rund um den Strike.
Welche Kennzahl verliert zum Verfallstag hin an Bedeutung?
Vega ist bei langen Laufzeiten am größten und geht zum Verfall hin gegen null: Für eine Option, die morgen ausläuft, spielt die erwartete Volatilität kaum noch eine Rolle. Gamma und Theta steigen dagegen an.
Das Ganze als Video
Wenn du lieber zuschaust statt zu lesen: Hier erkläre ich den Short Put im Zusammenhang.
Short Put – einfach erklärt youtu.be/-6oNzf8QTTQ · öffnet auf YouTube